Vincent

sternenklare Nacht
doch blau und grauer Pinselstrich
im sonnenglast, so seh ich dich
dein Blick dringt seelentief in mich hinein

im Schatten – Staffelei
die Leinwand gibt dir Zufluchtsraum
für Wintergrün und Blütentraum
für Sommerwind und stürmisch hohe See

ich glaub dass ich versteh
wie sehr sie fraß, die stumme Not
und wie aus angst um Liebe, Gunst und Brot
dir Bild um Bild das Herzblut nimmt
wie aus der Feuer hohe, weite Loh‘
zuletzt nur Asche glimmt

sterneklare Nacht
erhoben durch des Künstlers Gunst
wird Wolkentanz in hellem Dunst
in deinen Augen kann ich es erspürn
wohin sie dich entführn
auf Felder in der sonne Glast
Gesichter, schicksaltreu, gefasst
wie du sie malst voll liebe und verstand

ich glaub ich hab erkannt
wonach du riefst in stummer Not
und wie aus Angst um Liebe, Gunst und Brot
die Kunst vergeht im tiefen Schmerz
man hat dich nie gehört, von Gold betört
hört nicht mit Ohr noch Herz

weil man dich verschmähte
begoss dich noch mit Spott und Hohn
hast du in sternenklarer Nacht
ein letzes Opfer dargebracht
wie’s liebende als aus Gram um Liebe tun
für Vincent, magst in stiller Schönheit ruhn
war unsre welt niemals gemacht

sternenklare nacht
in galerien zur schau gestellt
portraits mit Neon kalt erhellt
mit preisschild, rahmenlos, klischee
mit Augen, die niemals verzeihn
gleich all den Fremden deiner Zeit
zerlumpter mann, zerschlissnes Kleid
karmin und grau, beengt und weit
zerstreut in dir wie erster winterschnee

und – dass ich jetzt versteh
wie sehr es uns an Herz gebricht
und wie bis heut die Gier die Lieb‘ zerbricht
so wie du brachst, im klaren Sternenlicht
sie bleiben taub, ich hoff sie schämen sich
doch glauben kann ich daran nicht

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