Erinnerung an..
meinen
Onkel Karl
Kunstmaler, Bohémien und Freund
Dicht unter dem Dach, das Zimmer war klein,
Ein zugiges Fenster nach Westen, im Giebel.
Stockschwamm in den Wänden, es riecht nach Wein,
Terpentin, Leinöl, Hartwurst und Zwiebel.
Ich saß auf dem Sofa, mucksmäusschenstill
ganz drauf bedacht, Dich nicht zu sehr zu quälen.
Doch Du lachst mich an, sagst: ‚Komm her Bub,Ich will
Dir heut eine kleine Geschichte erzählen..
..von Feldern im Sommer, die Schnitter verharren
Du riechst frisches Heu, es wabert das Licht –
dort, mitten im Glast steht ein einsamer Karren,
es liegt Spreu in der Luft, beisst in Hals und Gesicht.‘
Und ich schloss meine Augen,und ich hörte die Grillen,
meine Hand wurde schwielig, mein Rücken tat weh,
der Trunk kalten Wassers, ich konnte ihn fühlen,
die Labsal des Schattens, dann: „Sie her – und versteh!
Und unter dem Tuch, das die Leinwand verhüllte
trat Sommer hervor, goldgelb, heiß, wunderbar!
Ich war damals erst sieben, doch ich stand da und fühlte,
dass fortan dieses Bild mein Refugium war!
Sie haben sich alles von Dir genommen,
gefleddert, geäugt, dass auch ja keines fehle!
Doch dieses Bild hat kein Geier bekommen,
denn die Leinwand – war meine Seele!